Da haben wir aber mal daneben gelegen: «Kimi Räikkönen findet keine Nachfrage», behaupten wir heute (Dienstag) in unserer Printausgabe von SPEEDWEEK. Und am gleichen Tag vermeldet Renault die Verpflichtung des Eismanns.
Schlecht für uns, gut für die Formel 1.
Renault sieht offenbar mehr Potenzial für Erfolg als wir…
Räikkönen war mal ein Ausnahme-Könner. Und jeder grosse Name bereichert das Feld, wertet das Produkt Formel 1 auf.
Räikkönen fuhr von 2001 bis 2008 für Sauber, McLaren-Mercedes und Ferrari, bevor er zwei Jahre im Rallyesport fremd ging. Erstmals im Jahre 2003 kam er dem WM-Titel nahe, als Michael Schumacher am Ende mit Mühe und Not und einem achten Platz in Japan die Oberhand behielt.
In den Jahren 2005 und 2006 startete der Mann aus Espoo gemeinsam mit Juan Pablo Montoya bei McLaren-Mercedes: eine wahrhaft explosive Paarung. Der kühle Finne raubte dem Hochbegabten Kolumbianer mit seinem Können den Nerv, bis Juan mitten im Jahr in die NASCAR wechselte.
Im ersten Ferrari-Jahr eroberte Räikkönen, für den Schumi seinen Platz Ende 2006 hatte räumen müssen, mit Ferrari den WM-Titel. Der erste und bislang einzige für Kimi, der bislang letzte für die Scuderia. Allerdings benötigte der Eismann dabei die kräftige Mithilfe der überlegenen McLaren-Fahrer Hamilton und Alonso, die sich in dem Jahr gnadenlos die Punkte abjagten. Und im Finale auch noch Pech hatten.
Kimi war ein Glücksmeister. Aber Titel ist Titel.
Schon 2008 wirkte bei Ferrari Felipe Massa stärker, womit die Position des Führungsfahrers der Roten überdacht werden musste. Man entschied sich, auch mit Hilfe und unter Druck der Banco di Santander, für Fernando Alonso.
Für Kimi blieb damit kein Siegauto übrig und er wechselte Ende 2009 – mit vollem Ferrari-Gehalt – in den Rallyesport. Dort fuhr er für einen Quereinsteiger verdammt gut, konnte aber keinen Werkswagen ergattern, sodass ihm Spitzenresultate verwehrt blieben. Überdies wurde das Vergnügen langsam teuer.
Jetzt schert er wieder ein. Ob mit vollem Herzen, wird man sehen. Ein Teil wird noch am Rallyesport hängen. Was er noch kann, werden schon die Testfahrten offenbaren. Talent verliert man nicht, schon gar nicht so viel. Fitness und Schärfe schon eher.
Renault geht das Risiko trotzdem ein. Das Team hat 2011 spätestens ab Saisonmitte vollkommen den Faden verloren. Schlechter kann es für das ehemalige Weltmeisterteam kaum werden. Renaults Manöver zeigt den Willen, den die Eigner von Teambesitzer Genii Capital offenbar mitbringen. Dieses Jahr sind sie kritisiert worden, als sie Nick Heidfeld mitten in der Saison, offensichtlich des Geldes wegen, gegen Bruno Senna auswechselten.
Renault wird 2012 als Lotus durchstarten, Räikkönen somit Lotus-Pilot.
Der Versuch mit Kimi lohnt sich, denn Lotus (weiter mit Renault-Motor) wird 2012 sowieso nicht um Siege und Titel fahren. Es wird spannend zu sehen sein, ob der technisch mässig begabte und interessierte Finne mal ein Team nach vorne puschen kann, statt sich ins gemachte Nest zu setzen, wie bei McLaren und Ferrari. Er fängt im Prinzip – mit 32 – etwa dort an, wo er 2001 begann: im Mittelfeld. Dort wird er seine Duftmarken setzen.
Zuvor muss er eine Menge neuer Knöpfchen am Lenkrad kennen und einsetzen lernen.
Auf knackige Schlagzeilen des maulfaulen Renntiers sollten wir nicht setzen. Aber hoffentlich täusche ich mich ja abermals.
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| Nach Williams-Plan bei Renault gelandet. | |
Das Risiko Räikkönen
| Von Peter Hesseler | 29.11.11-14:07 |
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ARCHIV
POSTINGS
Posting von MEK1 am 30.11.11 21:16:27
Ich denke nicht das Kimi groß was reißen wird. Aber lassen wir uns überraschen. Posting von guenter am 29.11.11 17:21:14
Kimi Räikkönen als "Glücksmeister" zu bezeichnen ist schlicht eine Frechheit! Hier hat Herrn Hesseler wohl bei der Wortwahl seine Vergangenheit bei der Blö.. ah Bildzeitung eingeholt!Was Räikkönens zweite F1 Karriere betrifft habe ich ehrlich gesagt kein gutes Gefühl. Schon viele Fahrer und auch Weltmeister haben ein Comeback versucht, nur um dann zu merken dass es einfach nicht mehr reicht.
Posting von MagicSenna am 29.11.11 17:03:16
Der "Iceman" ist also zurück! Ich stimme aber Peter Hesseler in seiner Analyse zu, dass die Verpflichtung des Finnen für die Formel 1 (vielleicht) ein Gewinn, für Lotus-Renault aber eher ein Risiko bedeutet. Warum ich so pessimistisch bin? Nun, Kimi war zwei Jahre weg vom Fenster. Die arg reduzierten Testmöglichkeiten werden auch seine Rückkehr erschweren - Michael Schumacher lässt grüßen!
Darüber hinaus hege ich so meine Zweifel an der Motivation von Räikkönen. Mit Ausnahme seines Debut-Jahres bei Sauber anno 2001 fuhr Kimi durchweg für Top-Teams, die ihm siegfähiges Material boten. Aber schon 2008, erst recht aber 2009 konnte ich mich des Eindrucks nicht erwehren, das Kimi in machen Rennen schlicht einzuschlafen drohte! Das war nicht mehr der fliegende Finne" von einst, der 2005 einen Montoya auf gleichem Material demontierte und in jenem Jahr auf einer Fahrerstrecke wie Suzuka nach einer fantastischen Aufholjagd kurz vor Schluss noch Fisichella den bereits sicher geglaubten Sieg entriss!
Er schien darüber hinaus während seiner Ferrari-Zeit auch kein Gespür für die Empfindlichkeiten der italienischen Tifosi zu entwickeln. Das war ein grober Fehler seinerseits, der seinen Rauswurf bei der Scuderia (trotz eines WM-Titels UND eines gültigen Vertrages) sicherlich begünstigt hat.
Nein, Kimis Hunger nach Erfolgen schien mit dem Gewinn der WM 2007 gestillt und sein Feuer erloschen zu sein. Wie soll er sich dann aber für ein Mittelklasse-Team wie Lotus-Renault motivieren? Ist es nicht doch viel wahrscheinlicher so, das er zwar noch gerne Rennen fährt, aber keine große Alternative mehr gehabt hat?
In einem der Top-Teams gab es nach den letzten Vertragsverlängerungen von Webber und Button kein freies Cockpit mehr für ihn. In der Rallye-WM war er nur noch (zahlender) Kunde ohne Perspektive auf einen Platz in einem Werksteam - und Ferrari überwies für den vorzeitigen Rauswurf auch kein Schweigegeld mehr in die Schweiz, wo Kimi schon seit Jahren wohnt.
Was könnte also der Gewinn für Lotus-Renault sein, neben einem nun wohl einsetzenden, kurzfristigen Medienrummel? Docken nun vielleicht jene zahlungskräftigen Sponsoren aus Katar bei Lotus an, die der Gerüchteküche zufolge ein Comeback Räikkönens bei Williams
ermöglicht hätten? Das werden wir in den kommenden Wochen erfahren.
Weitere Auswirkungen dieser Verpflichtung dürften nun gestiegene Chancen von Adrian Sutil auf ein Cockpit bei Williams-Renault sein. Die Rückkehr von Robert Kubica zu seinem alten Arbeitgeber dürfte hingegen in weite Ferne gerückt sein. Schade!
Matthias Klein, Neuwied
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